
Geschäftskonto – ja oder nein?
Wer sollte ein Geschäftskonto haben, ab wann brauchst du eines und wie findest du die richtige Bank?
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du in wenigen Minuten herausfindest, welche Bank zu dir passt und was du beim Eröffnen eines Geschäftskontos beachten solltest.
1. Wer muss ein Geschäftskonto eröffnen?
Ein Geschäftskonto wird dazu genutzt, um den Zahlungsverkehr, welcher in deinem Unternehmen anfällt, zu verwalten.
Es funktioniert im Grunde wie ein privates Girokonto, über welches Kunden- und Lieferantenzahlungen, Miete, Gehälter uvm. geregelt wird.
Als Kleinunternehmer, Freiberufler und Selbstständiger bist du gesetzlich nicht verpflichtet, ein Geschäftskonto zu haben.
Dem Finanzamt ist es also egal, ob du dein privates Girokonto für deine Buchhaltung nutzt oder ein separates Geschäftskonto.
Handelt es sich bei deinem Unternehmer dagegen um eine Kapitalgesellschaft (z.B. GmbH, UG, AG, usw.), dann bist du gesetzlich dazu verpflichtet, ein Geschäftskonto zu führen.
In diesem Fall gilt dein Unternehmen als juristische Person, die eigenständig rechts- und geschäftsfähig ist.
2. Warum solltest du ein Geschäftskonto haben?
Auch wenn du gesetzlich dazu nicht verpflichtet bist, empfehle ich dir, ab Tag 1 deiner Selbstständigkeit ein separates Geschäftskonto zu nutzen.
2.1 Privates und Geschäftliches trennen
Einer der größten Vorteile ist sicherlich, dass du private und geschäftliche Dinge einfach klar voneinander trennen kannst.
Dabei dient es zum einen zu Dokumentationszwecken gegenüber dem Finanzamt, zum anderen werden private und geschäftliche Reserven nicht miteinander vermischt.
Geld, welches für den nächsten Urlaub angespart wurde, kann nicht versehentlich für die nächste Fortbildung ausgegeben werden.
Andersherum kann die Rückklage für die nächste Steuerzahlung nicht unter einer spontanen Shoppingtour leiden.
2.2 Weniger Arbeit in der Buchhaltung
Zudem reduziert sich der Aufwand für deine Buchhaltung. Nutzt du ein gemischtes Konto, muss du alle Umsätze auf deinem Konto in deiner Buchhaltung erfassen.
Das heißt nicht, dass du private Ausgaben als Betriebsausgaben angeben kannst. Vielmehr bedeutet es, dass du alle Umsätze, die nicht dein Business betreffen als „privat“ verbuchen musst.
2.3 AGBs gecheckt?
Wächst dein Business und hast du regelmäßig geschäftliche Umsätze auf dem privaten Girokonto, könnte es unter Umständen Schwierigkeiten mit deiner Bank geben.
Viele Banken haben in ihren AGBs vermerkt, dass private Girokonten auch nur für private Zwecke verwendet werden dürfen.
2.4 Umzugsstress
Ein späterer Wechsel vom Privatkonto auf ein Geschäftskonto ist auch mit einem gewissen Umzugsstress verbunden.
Du musst deinen bisherigen Kunden die neue Bankverbindung mitteilen. Gerade Stammkunden haben deine Kontodaten aber oft in ihrem Banking-Programm abgespeichert.
Es können unter Umständen einige Erinnerungen notwendig sein, bis das Geld sicher auf dem richtigen Konto landet.
Wenn du Zahlungen für Tools oder Versicherungen abbuchen lässt, muss du auch dort überall deine Bankverbindung und womöglich auch deine Kreditkartendaten ändern.
Außerdem musst du sämtliche Geschäftsdokumente und Rechnungsvorlagen aktualisieren.
3. Ein Geschäftskonto bietet gewisse Extras
Ein weiterer Vorteil, den ein Geschäftskonten bieten, sind die erweiterten Leistungen und Funktionen, die es mitbringt.
3.1 Erweitertes Onlinebanking
Viele Firmenkonten bieten dir die Funktion an, weiteren Benutzern Zugang zu deinen Konten zu geben.
Das ist nützlich, wenn du z.B. Mitarbeitern, Buchhaltern oder dem Steuerberater Zugang zu deinen Finanzen geben möchtest.
Hast du mehrere Konten bei einer Bank, kannst du auswählen, auf welche Konten die Benutzer Zugriff haben sollen und welche Rechte sie haben.
3.2 Schnittstelle zur Buchhaltungssoftware
Verbinde dein Geschäftskonto direkt mit deinem Buchhaltungsprogramm und hole dir neue Bankumsätze direkt in dein Programm.
Du kannst zwar in vielen Fällen auch dein privates Girokonto mit deinem Buchhaltungsprogramm verbinden, jedoch stehen dir dann bestimmte Funktionen nicht zur Verfügung.
Arbeitest du z.B. mit Lexware Office und legst dein Bankkonto als privates Konto an, musst du alle Rechnungen händischen den jeweiligen Bankumsätzen zuordnen.
Mit einem Geschäftskonto werden dir zeitsparende Zuordnungsvorschläge zwischen Bankumsatz und erfassten Rechnungen direkt von Lexware Office gemacht, die du mit nur einem Klick übernehmen kannst.
3.3 Kreditkarte und Unterkonten
Viele Banken bieten dir zum Geschäftskonto eine Firmenkreditkarte an. Manche bieten sie kostenfrei an, bei anderen wird eine Jahresgebühr fällig.
Bei manchen Geschäftskonten kannst du dir sogenannte Unterkonten anlegen. Diese sind mit dem Hauptkonto verknüpft und sollen dabei helfen, Rücklagen und Budgets via Kontostand zu verwalten.
3.4 Erweiterte Zahlungsoptionen
Neben der klassischen Überweisung bieten viele Geschäftskonten die Möglichkeit an, Zahlungen via SEPA-Lastschrift direkt vom Konto deines Kunden einzuziehen.
Dadurch hast du mehr Kontrolle über deine offenen Posten.
3.5 Zusätzliche Finanzierungsoptionen
Ob Kontokorrentkredit bei kurzfristigen Zahlungsengpässen, ein Investitionskredit für größere Anschaffungen oder spezielle Leasingangebote: Für Firmenkunden bieten viele Banken besondere Möglichkeiten, um verschiedene Investments zu finanzieren.

4. Was kostet ein Geschäftskonto?
Die Frage, wie hoch die Kosten für ein Geschäftskonto sind, lässt sich so pauschal gar nicht beantworten.
Hier spielen nämlich mehrere Faktoren zusammen.
4.1 Monatliche Grundgebühr
Ein entscheidender Faktor ist die monatliche Kontoführungsgebühr. Diese ist grundsätzlich unabhängig von der Anzahl und Höhe deiner Transaktionen.
Es gibt kostenlose Geschäftskonten und welche mit monatlicher, fixer Kontoführungsgebühr.
Manche Banken stellen dir ihre Konten zunächst kostenlos zu Verfügung. Sie verlangen erst eine monatliche Gebühr, wenn du weniger als eine bestimmte Summe an Geldeingängen oder ein zu geringes Transaktionsvolumen (eingehende und ausgehende Transaktionen gesamt) hast.
4.2 Transaktionskosten
SEPA-Überweisungen, Lastschriften und Daueraufträge sind wohl die häufigsten Transaktionsarten auf dem Bankkonto eines Soloselbstständigen.
Und hier solltest du genau hinschauen!
Manche Banken verlangen einen fixen Betrag, egal um welche Transaktionsart es sich handelt.
Andere verlangen z.B. für Lastschriften mehr als für SEPA-Überweisungen.
Wieder andere stellen ihren Kunden eine bestimmte Anzahl an Transaktionen pro Monat kostenlos zur Verfügung.
4.3 Gebühren für Ein- und Auszahlungen von Bargeld
Wenn du z.B. Bareinnahmen aus deinem Unternehmen regelmäßig auf dein Geschäftskonto einzahlen möchtest, solltest du vorab prüfen, welche Möglichkeiten du dazu hast.
- Gibt es Filialen zu denen du gehen kannst?
- Sind diese gut zu erreichen und wie sind die Öffnungszeiten?
- Wie hoch sind die Gebühren für Bargeldeinzahlungen und -auszahlungen
- Kannst du dein Geld an einem Automaten einzahlen?
- Wie hoch sind die Gebühren an den Geldautomaten?
- Welche Limits gelten für Ein- und Auszahlungen?
4.4 Gebühren für internationale Zahlungen
Erhältst du Zahlungen aus dem Ausland (Auslandsüberweisungen) oder zahlst du ab und zu Rechnungen in einer anderer Währung wie z.B. US-Dollar?
Dann solltest du vorher die Gebühren für Auslandstransaktionen prüfen.
Für internationale Zahlungen gelten oftmals andere Preise, als für EU-Zahlungen oder du musst einen prozentualen Aufschlag auf den regulären Preis bezahlen.
In der Regel zählen Auslandstransaktionen auch nicht zur Anzahl der kostenlosen Transaktionen, falls dir monatlich welche zur Verfügung gestellt werden.
5. Warum verlangen Banken Gebühren für Geschäftskonten?
Kontoführungsgebühren werden dazu verwendet, um die Bereitstellung deines Firmenkontos zu finanzieren.
Stell es dir vor wie ein Produkt und die Bank ist der Verkäufer.
Je größer die Bank ist, desto mehr Ausgaben hat sie und das beeinflusst ihre Kalkulationen und somit ihre Preise.
Dazu zählen u.a. Kosten für
- Filialen und Geldautomaten
- IT-Systeme die einen reibungslosen und sicheren Zahlungsverkehr sichern
- Kundenberater und Verwaltungsmitarbeiter
- IT-Sicherheit
- die Bereitstellung des Onlinebankings
5.1 Sind Bankgebühren brutto oder netto?
Banken haben bei Geschäftskonten ein sogenanntes Optionsrecht, ob sie ihre Gebühren mit oder ohne 19 % Umsatzsteuer ausweisen.
Da du die Kosten für dein Geschäftskonto als Betriebsausgaben in deiner Buchhaltung erfassen kannst, solltest du vorher prüfen, ob die Bank 19 % Umsatzsteuer auf ihre Kontoführungsgebühren erhebt oder ob diese nach § 4 Nr. 8 UStG von der Umsatzsteuer befreit sind.
6. Online- oder Filialbank – Welche Bank ist die Beste?
Jetzt weißt du, wer ein Geschäftskonto haben sollte, was es kann und auf welche Kosten du achten solltest.
Stellt sich nur noch die Frage: Wie finde ich die beste Bank für mich?
Entscheidest du dich für die klassische Filialbank vor Ort oder vielleicht für eine FinTech-Bank?
Lass in deine Entscheidung neben den Konditionen für die Kontogebühren auch weitere Aspekte mit einfließen.
Hier zählt in erster Linie dein Bauchgefühl. Mit welcher Variante fühlst du dich selbst am wohlsten und was ist dir wichtig?
6.1 Welche Werte sind dir bei einer Bank wichtig?
Vielleicht sind dir bestimmte Werte wichtig, nach welchen die Bank ihr Geschäftsmodell ausrichten sollte.
Regionale Banken stärken z.B. meist die Region in der wir leben. Sie unterstützen Vereine und Organisationen, sie arbeiten mit den Handwerkern vor Ort zusammen und sie sichern Arbeitsplätze im unmittelbaren Umkreis.
Andere Banken sind u.a. aktiv im Umweltschutz oder anderen sozialen Projekten.
6.2. Wie wichtig ist dir die persönliche Beratung?
Das Vertrauensverhältnis von Mensch zu Mensch ist gerade in finanziellen Angelegenheiten ein wichtiger Faktor und du kannst deine Bedürfnisse direkt mit deinem Berater besprechen.
Vielleicht arbeitet ihr auch schon viele Jahre zusammen und er weiß genau, was dir wichtig ist. Dein Berater kann dir eventuell maßgeschneiderte Lösungen für dein Problem anbieten, z.B. wenn du einen Kredit brauchst.
6.3. Gibt es einen telefonischen Support?
Ein telefonischer Support kann dir viel Zeit und Nerven sparen, wenn du Fragen hast oder Hilfe benötigst.
Du musst nicht lange auf eine E-Mail-Antwort warten und kannst dein Anliegen direkt klären.
Auch ein Online-Sperrservice bei Verlust und Missbrauch von z.B. Kreditkarten könnte ein Pluspunkt für die Bank sein.
6.4. Welche Leistungen sind dir bei einer Bank wichtig?
Brauchst du eine Kreditkarte für dein Geschäftskonto oder ist dir ein übersichtliches Onlinebanking wichtig?
Dann solltest du darauf achten, dass die Bank deine gewünschten Leistungen auch anbietet.
6.5. Wie sicher ist dein Geld?
Prüfe, welche Sicherheitsvorkehrungen die Bank trifft, um dein Geld zu schützen.
Onlinebanking und TAN-Verfahren sollten einen vertrauenswürdigen Eindruck auf dich machen.
Prüfen, z.B. bei FinTech-Unternehmen, welche Bank dahinter steht und wo sie ihren Firmensitz hat.
Je nach Land können andere Regeln zur Einlagensicherung gelten.
6.6. Wenn’s schnell gehen muss
Wenn es dir wichtig ist, dass schnell von einer auf die andere Bank umgebucht werden kann, dann frage bei der Bank nach den Banklaufzeiten.
6.7. Wie hoch sind die Guthabenszinsen?
Vielleicht möchtest du von Zeit zu Zeit etwas zur Seite legen, eine Reserve aufbauen oder Geld für Jahreszahlungen ansparen.
Hierfür bietet sich ein Konto an, welches eine Guthabensverzinsung mitbringt. So wird dein Geld automatisch mehr, während es auf seinen Einsatz wartet.
7. Fazit:
Ein separates Geschäftskonto gehört zur Grundausstattung deines Unternehmens.
Die Trennung von privaten und geschäftlichen Finanzen bringt dir nicht nur mehr Klarheit, sondern auch nützliche Zusatzfunktionen, die dir den Businessalltag erleichtern.
Allerdings ist die Auswahl an Banken und damit auch an Modellen für dein Geschäftskonto groß.
Deshalb solltest du verschiedenen Faktoren abwägen und die Banken miteinander vergleichen.
Daher hängt die Antwort auf die Frage „Welche Bank bietet das beste Geschäftskonto?“ immer von deinen individuellen Bedürfnissen ab.